Schweigen erschien mir angemessen.
Diese Möglichkeit des Verstummens. So still. So weit. So unantastbar. So unverletzbar.
Und so dermaßen feige.
Zu einfach.
Aber diese Epiphanie ist keine Entität.
Aber auch Stimmungen sind es vielleicht wert aufgenommen zu werden. Wider dem Schweigen. Diesem geliebten Feind. Es erschien mir angemessen, das Schweigen. Passend wie ein neues Kleidungsstück. Es wärmt. Es umgibt mich. Eine Hülle. Aber das Schweigen, es ist so verdammt glatt. In seiner Schwere ist es zu einfach. Meine Haut kratzt sich wund an diesem Kleidungsstück - und ist doch zugleich so viel wunder ohne eben jenes.
Zugleich so viel wunder.
Zugleich - so viel Wunder. Ich pfeife nach ihnen, den Wundern - aber fliegen sie mir denn wirklich alle noch bereitwillig zu? Ich befürchte nicht. Ich fürchte nicht. Es gibt eine Furcht vor der Angst. Ich bin mit ihr befreundet, unser Verhältnis ist chronisch. Die Angst sitzt auf meinen Wimpern, mit ihr durchschaue ich die Welt. Den Wert der kostbaren Bindungen. Verbunden bin ich mit Menschen durch Wichtigkeitsgeflechte. Sie ranken sich um Seele und Herz und manchmal sind sie Ursache für Atemnot. Aber ich kann sie nicht durchtrennen, es sind feingliedrige, fragile und wetterleuchtende Adern, fest mit den Herzkammern und Seelenhöfen verwachsen. Es erschien mir angemessen, das Schweigen. Aber es ist zu einfach. Ich habe zu viele Einbahnstraßen inkorporiert. Erfüllt von Sternschnuppen, die in meinem Himmel erlöschen. Ich bin das Zentrum der Peripherie. Die Bereitwilligkeit des Auslieferns. Es ist zu bequem diese zu begraben. Ich liefere mich aus, ich liefere mich ab. Ich zeige nichts. Nicht allein durch geschriebene Zeilen, sondern im zerbrechlichen Zwischen derselben.
Ich nehme sie, die Hände. Ich fühle sie sehr gerne, dann werden sie Wahrheit. Es gibt eine Angst vor offenen Händen. Es gibt eine Angst vor dem Wort auch. Ich liefere nichts. Denn dies ist zu einfach. Zugleich liefere ich alles. Mit diesem Text. Aber dies bin nicht ich. Und doch so ganz. Schweigen erschien mir angemessen. Aber dieser Satz, er ist im Präteritum verfasst.
Die Gegenwart ist Folgendes: Es gibt eine Angst vor offenen Händen. Ich möchte meine Haut nicht offen legen. Ich tue gerade eben genau dies.
Ich empfinde Welten - und finde zu wenig. Zugleich: so viele Wunden. Dies nun: eine weitere.
Ich und die Angst - unsere Beziehung ist chronisch. Das Schweigen ist noch immer da. Trotz dieses Textes. Dennoch hoffe ich er wird nicht nur Wunden hervorbringen.
Sondern auch Wunder.
Mittwoch, 28. Dezember 2011
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1 Kommentare:
dein erster Satz ist der schönste, den ich seit langem gelesen habe. danke dafür.
du bist mutig. sehr.
gute nacht, tolle, kluge, sensible frau.
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