Samstag, 30. Januar 2016

Licht im Winter

Auf einer Brücke, einer kleineren, weißen. Sie geht über einen Kanal und auf der einen Seite da ist alles Herbst und trübe und ausgezehrt und ein wenig, ja, langweilig in der Wahrnehmung. Unten rechts eine Treppe und zwei Kinder, die nicht da sein sollten, wo sie dann doch sind. Äste, Geäst und krumme Birken, Bäume und Himmelsfetzen. Auf der anderen Seite, die ist ja schon direkt da, wenn man sich nur umdreht und sich mit dem Rücken ans Brückengitter lehnt, auf dieser anderen Seite ist auch alles anders. Das Licht, der Zustand, der Wind und die Gedanken. Rot bis rosa, gelb bis dämmrig blau. Dann auch noch diese Doppelung im Wasser, irgendwie stärker, irgendwie klarer gezeichnet als das Original, da im Himmel. Was so zerbrechlich wirkt und so blass und so unnahbar. Im Wasser da meint man es fassen zu können, da meint man es fühlen zu können. Im Wasser, da ist der Himmel ganz bei einem, meint man. Wie wäre es denn einfach zu springen, im Januar, im Winter, in der Kälte. Denn es ist ja so: man möchte es fangen das Licht. Das Rot. Das Gelb. Die Farbe. Die Sonne. Manchmal möchte man in dieses Wasser voller Licht springen und sich wünschen, man würde nicht nur nass, sondern auch voller roter und gelber Farbsprengsel wieder aus ihm hervortreten. Man würde zu der Treppe schwimmen, die zwei unsinnigen Kinder schreiend verscheuchen, die nur die Wut sehen und das Sterben vor Langeweile und das ganze andere nicht bemerken, und sich dabei fühlen, als hätte man dem Himmel oder der Birke einen kleinen Dienst erwiesen. Die Brücke leuchtet dann plötzlich auch, aber eigentlich ist das Leuchten des Himmels bei weitem das Wärmere. Eigentlich ist der Winter auch nur diese Außenansicht, eigentlich ist er auch schön, weil er alles glasklar und brechend klirrend auf das Gemüt schneien lässt.
Die Kinder, sie haben hässliche blaue Jacken an und sind schon längst nicht mehr wichtig.




P.S.: Die Pause, die zwischen den einzelnen Einträgen entsteht ist zu lang. Ich möchte wieder mehr schreiben. Wie sieht es denn aus hier draußen? Liest noch irgendwer mit? Mich würde da ja wirklich interessieren. Also an alle Leser: bitte einmal eine kurze Email an mich. Oder kommentiert kurz. Das würde mich sehr freuen.