Donnerstag, 16. Juni 2016

Koordinatenlos

Bahnfahren. Grüne Bänder ziehen am Zugfenster vorbei. Schnell und wunderschön. Ein paar Bäume, etwas Golden-gelbes dazwischen. Ähren, in Reihen, stehend und dich umfangend. Klatschmohn hast du dieses Mal keinen gesehen und auch keine Sonnenblumen. Trotzdem würdest du gerne an einer kleinen Station aussteigen, zwischen der einen und der anderen Stadt. Jedoch gemeinsam. Du sitzt schließlich nicht alleine in dem Zug, traust dich aber nicht zu sprechen und erst recht nicht diesen gewagten Vorschlag zu machen. Das macht dich traurig, einfältig, schüchtern, schwach. Der Vorschlag würde nicht verstanden werden. Ach, ach lass uns doch gemeinsam durch die Felder, auf Feldwegen entlang an Bäumen vorbei und dem Wind lauschen. Die Erde sich krümmen sehen am Horizont, fernab des Zuginneren. Das einzige jedoch was sich bei dir krümmt, das ist dein Wille, das ist dein Rücken, bei seinem Blick, bei deiner Angst. Vielleicht hättest du einfach alleine aussteigen sollen, um zu sehen was passiert. Aber Wut wäre es nicht, die dich antreibt sächsische Dörfer zu erkunden. Fluchtgedanken und Mut viel mehr, aber diese wären falsch ausgelegt worden. Wie Unokarten in einem Spiel, was eigentlich Skat heißt. Vielleicht bist auch du eine falsche Karte, die kein Trumpf ist für keinen, die kein As ist und erst recht kein Joker. Du sitzt in diesem Zug und fängst an dich in Papier zu flüchten, damit die Trauer nicht so sehr aus dir herauswächst wie sprießende Keime. Der Platz gegenüber von dir ist seltsam leer, auch wenn da jemand sitzt. Es gäbe so viel zu meinen und so viel zu sagen und du willst niemandem etwas unterstellen und keine unwahren Stimmungen auslösen. Aber es gibt so viel in dir, was fragen möchte, was wagen möchte und rennen und sich zerbeißen und was die Menschen mitreißen möchte in deine Intensität und deinen eisernen Willen, der doch in letzter Zeit immer so papieren und zaghaft ist. Du willst so viel mehr und willst auch, dass andere mit dir auf diese Reise gehen, aber du kannst sie nicht erreichen. Da ist diese Befürchtung der ständigen - wieder ein goldenes Feld, wieder das langsam schwindende Licht aus dem Zugfenster - Zurückweisung.
Komm, steig mit mir aus, gehe, laufe, renne. Schreie. Und schau mit mir in den Himmel und die Wolken. Jetzt. JETZT.