Montag, 28. Dezember 2009

No proof

Dr. Lilian Thurman: Do you feel alone right now?
Donnie: Oh, I dunno. I mean I'd like to believe I'm not but I just... I've just never seen any proof so I... I just don't debate it anymore, you know? It's like I could spend my whole life debating it over and over again, weighing the pros and cons and in the end I still wouldn't have any proof so I just... I just don't debate it anymore. It's absurd.
Dr. Lilian Thurman: The search of god is absurd?
Donnie: It is if everyone dies alone.
Dr. Lilian Thurman: Does that scare you?
Donnie: I don't wanna be alone.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Ein Käfig sucht einen Vogel

Da sind zunächst einmal all diese vielen Kinder. Diese vielen jungen, sanften Gesichter, die jedoch in eben diesen jungen Jahren ihres frühen Lebens bereits Geschichte haben. Es sind die Augen. Die Augen, die uns dies verraten. Sanft und subtil. Still, leise und dunkel ziehen uns diese Augen hinein in einen Sog, hinab in eine Tiefe und Traurigkeit. Wie schwarzer Treibsand. Licht und Schatten. Verlorene Unschuld.
Der Film, er ist nicht umsonst in Schwarz und Weiß gehalten. Durch den Entzug der Farbe sind die Bilder klarer, schärfer, härter. Und besitzen zugleich eine zerbrechliche, fragile Sanftheit, die einen mit ihrer Wahrheit erschreckt. Die Kinder, sie sind die Wahrheit in diesem Film. Zugleich jedoch ist alles irgendwie seltsam, denn hinter Kinderaugen und Häuserfassaden und unter weiten Feldern und Lichtungen verbergen sich Geheimnisse. Geheimnisse, die wehtun. Die verletzen. Die beklemmen.
Der Film, er ist ein Rätsel. Er fühlt sich vergangen an, nahezu klassisch – und weist dadurch noch viel mehr in die Zukunft. Dieser Film hat etwas Prophezeiendes. Er ist ruhig und verschwiegen und so in seinen stillen und verborgenen Momenten am schwersten zu ertragen.
Kurz vor Beginn des ersten Weltkrieges spielend weist sein Mikrokosmos an Grausamkeiten, Misshandlungen, Verschwiegenheiten und dunklen, sadistischen Taten auf eine düstere, nicht zu verhindernde Zukunft. Nicht umsonst ist Das weiße Band von Michael Haneke mit Eine deutsche Kindergeschichte untertitelt. Nicht umsonst ist dieser Untertitel in altdeutscher Sütterlinschrift gehalten. Und nicht umsonst trägt der Handlungsort – ein fiktives Dorf - den Namen Eichwald.
Es ist schwer diesen Film nicht explizit als eine Parabel auf deutsche Geschichte und Pädagogik zu sehen. Immer wieder geht es in diesem Film um die Kinder. Wie sie die Welt sehen, wie sie von Erwachsenen behandelt werden. Immer wieder sieht man ihre Reaktionen, erblickt man diese Augen – die alle meist sehr traurig oder sehr kalt und unheimlich starren. Tränen und ein Gefühl von zu wenig Luft. Zu wenig Freiheit. Zu wenig Verständnis. Durch das konsequente Schwarz/Weiß des Filmes wirken die Häuser, die Fenster, die Zimmer mit den Möbeln und Teppichen, ja wirkt selbst der Schatten eines Fensterkreuzes zutiefst begrenzend. Einengend. Richtend. Dieses Dorf – es ist eine eigene kleine Welt, ein Kreis von Misstrauen, Gewalt, Angst und Trauer. Die wenigen Totalen auf wogende Felder und dunkle Wälder lassen einen leicht aufatmen. Gleichzeitig spürt man jedoch auch, dass sich die grausame Innenwelt des Dorfes nun auf die nicht mehr länger unschuldige Außenwelt ausgebreitet hat. Das noch mehr passiert, als in diesem Dorf geschehen ist. Das dies nur der traurige Anfang war. Der Grundstein.
Es geht auch um das Patriarchat. Um die Figur des Ehemannes. Des Pfarrers. Und natürlich um die Figur des Vaters. Der verschiedenen Väter all dieser unglücklichen Kinder. Geradezu zynisch mutet es an, dass der einzig gute Mann in diesem Film – der Lehrer – als eigentlich wirklich beruflicher Pädagoge – vom Pfarrer als schlechter, unmoralischer Mensch betitelt wird.

Das weiße Band ist ein Film, der einen mit seiner Wahrheit, seiner Unbarmherzigkeit und seiner Subtilität zerreißt. Bezeichnend für die Geschichte dieser Kinder, bezeichnend für den ganzen Film ist die Bemerkung des Pfarrers und Vaters über einen Vogel. Den Vogel, den sein Sohn draußen gefunden hat und ihm dann mit dem Wunsch zeigt, ihn in einem Käfig wieder gesund zu pflegen. Der Pfarrer weist seinen Sohn sogleich daraufhin, dass dieser Vogel – da er die Freiheit kennt und gewohnt ist – nicht in diesem Käfig bleiben, sondern, sobald er wieder gesund ist, nach draußen entlassen werden muss. Sonst wird er sterben. Dieser Vater, wie auch alle anderen Väter in diesem Film, haben jedoch eine Sache nicht bedacht: Die berechtigte Mahnung, die an den Vogel gerichtet ist muss eigentlich den Kindern gelten. Bei ihren eigenen Kindern jedoch haben sie diese vergessen.
Dass Clara, eines der Kinder, gegen Ende des Filmes den Vogel mit einer Schere durchsticht und den Kadaver mit der Schere darin auf des Vaters Schreibtisch platziert, ist somit die einzig richtige und mögliche Konsequenz – und dadurch ist diese so ungemein traurig.
Und so ungemein schwer zu ertragen.

Donnerstag, 10. September 2009

Jedem das Seine

Inglorious Basterds ist erschreckend.
Es ist einer der ungewöhnlichsten und auf seltsam-tröstliche Art einer der absolutesten Spielfilme gegen den Greul und die Perfidität des Nationalsozialismus. Und das von Tarantino. Das ist mehr als erstaunlich. Der Film ist nicht eigentlich witzig - zeigt er doch den Humor der Nazis. Und dieser Humor ist eiskalt. Dieser Humor ist unbarmherzig. Ohne Mitgefühl. Ohne Güte.
Der perfekt durchkomponierte Prolog ist in all seiner konsequenten Härte und Unmittelbarkeit kaum zu ertragen. Es sind die kleinen Nuancen, die kleinen Bewegungen und Blicke, die einen zerbrechen, die einen verwirren. Die unerträglich sind.
Dieser Film ist ein Märchen. Eine tröstliche Wunschvorstellung, die so niemals hätte stattfinden können. Die es so leider nie geben konnte. Die es so nie gegeben hat.
Ein Film, der dem Drang, dem verzweifelten Wunsch, der verzweifelten Herbeisehnung eines perfekten Happy Ends nachgibt.
Dann ist da dieser eine magische Ort. An dem die Fäden zusammen laufen. An dem das schier Unmögliche geschiet.
Das Kino.
Das Lichtspieltheater.
Ort der Wünsche. Ort fremder Welten und inszenierter Realitäten. Träume - gebannt auf Zelluloid. Diesen Ort nutzen für dieses famose, absolute, grandiose Happy End. Für das wirklich endgültige Ende all der Grausamkeit. Allesamt. An diesem Ort. Eine wundervolle Vorstellung. Die Kunst - zuvor selbst von den Nazis verboten, zensiert und schlussendlich vernichtet und zu Asche verbrannt - richtet sich gegen ihre Peiniger. Indem sie sich nicht zerstören lässt, sondern sich freiwillig selbst aufgibt, sich freiwillig selbst zerstört. Um zu befreien. Um zu erlösen.
All die Filmerinnerungen, all die Geschichten, all die Kunst aufgefangen und archiviert in diesen Filmrollen - sie gehen in Flammen auf, verwandeln sich in Rauch, auf welchen die letzte, entscheidene Botschaft projiziert wird.
Der Kinosaal als Richtplatz. Als Versammlungsort. Sie alle müssen (zu)sehen. Sie alle sind dort - schauen in den Rauch, spüren die Flammen, spüren dieHitze, riechen die chemischen Dämpfe. Ohne ihren Blick abwenden zu können. Ohne die Augen verschließen zu können. Nicht mehr.
Sie alle dort gehen unter. Sterben.
All dies Böse, all die Grausamkeit, all die Unbegreiflichkeit und Unfassbarkeit - mit einem Mal vernichtet. Inmitten eines dunklen Raumes, vor einer blendend weißen Leinwand, die langsam in Flammen aufgeht.
Dies ist es: das Happy End.
Dies ist er: der Trost.
Der Trost, der zugleich so unendlich schmerzt, der so schrecklich unzureichend ist, weil man weiß, dass Märchen bei all ihrer Güte und Wärme vor allem eines sind: erfunden.

Donnerstag, 3. September 2009

Erinnerung

„Wie der Archäologe eine Scherbe aus dem Staub birgt und durch sie ein Stück verschwundener Geschichte und Vergangenheit wieder ans Licht bringt, so verspricht die Erinnerung ebenfalls die durch die Zeit gerissenen Lücken innerhalb der eigenen Existenz zu schließen, die eigene ‚Geschichte’ wieder zusammenzufügen und erzählbar werden zu lassen. In dieser Hinsicht ist die Erinnerung […] immer die Rückversicherung und Basis unserer Identität; sie allein sagt uns, was wir waren und demnach ebenfalls zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur sein können, denn auch die Gegenwart ist immer nur rückblickend zu bewerten.“

(Sonja Klein: Denn alles, alles ist verlorne Zeit - Fragment und Erinnerung im Werk von Durs Grünbein, S.28-29)

Montag, 10. August 2009

Schnee. Im Sommer.

"Vorsichtig bewegte sie sich durchs Zimmer und hob den Blick zu einem Spiegel: auch Grady war nicht mehr dieselbe. Sie war kein Kind mehr. Es war eine so perfekte Ausrede gewesen, dass sie an der Vorstellung, sie sei noch ein Kind, festgehalten hatte: als sie zum Beispiel Peter gesagt hatte, ihr sei noch nicht in den Sinn gekommen, ob sie Clyde heiraten würde oder nicht, hatte das der Wahrheit entsprochen, aber nur, weil sie das für ein Problem der Erwachsenen gehalten hatte: Hochzeiten geschahen in ferner Zukunft, wenn das graue und ernste Leben begann, und ihr eigenes Leben, glaubte sie fest, hatte noch nicht begonnen; doch als sie sich jetzt dunkel und blass im Spiegel sah, wusste sie, es währte schon sehr lange Zeit.
Lange Zeit: und Clyde zu sehr ein Teil davon: sie wünschte, er wäre tot. Wie bei der Herzkönigin, die unaufhörlich schrie: ab mit seinem Kopf, war das reines Wunschdenken, denn Clyde hatte nichts getan, was die Strenge eines Todesurteils rechtfertigte: dass er sich verlobt hatte, war kein Verbrechen, sondern sein gutes Recht: welchen Anspruch hatte sie überhaupt auf ihn? Es gab keinen, den sie geltend machen konnte; denn sie hatte, uneingestanden, doch in der Mitte ihrer Gefühle, immer eine Vorahnung von Kürze gehabt, ein Wissen, dass er sich nicht in die Alltagskleidung ihrer Zukunft hineinschneidern ließ: aus eben diesem oder fast diesem Grund hatte sie beschlossen, ihn zu lieben: das Vorjahresfeuer sollte er sein, oder hätte er sein sollen, das seinen Schein auf den Schnee warf, der bald genug fallen würde. Bevor sie sich vom Spiegel abwandte, hatte sie gesehen, dass Wetterlagen allesamt unvoraussagbar sind: die Temperatur sank, der Schnee war schon da."

(Truman Capote - Sommerdiebe, S. 78)

Mittwoch, 17. Juni 2009

Where is my mind?

Where is my mind? Where is my mind?
Where is my mind?
Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind?
Where is my mind?
Where is my mind? Where is my mind?
Where is my mind?
Where is my mind? Where is my mind?
Where is my mind?
Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind?Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind?Where is my mind?
Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind?
Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind?
Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind?
Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind?Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind?
Where is my mind?
Where is my mind? Where is my mind?
Where is my mind?
Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind? Where is my mind?



It's gone.

Dienstag, 14. April 2009

Home.

I jumped in the river and what did I see?
Black-eyed angels swam with me
A moon full of stars and astral cars
All the figures I used to see
All my lovers were there with me
All my past and futures
And we all went to heaven in a little row boat
There was nothing to fear and nothing to doubt

There was nothing to fear and nothing to doubt
There was nothing to fear and nothing to doubt
There was nothing to fear and nothing to doubt


...

(Pyramid Song - Radiohead)

It is time to hear this song again and again and again and...

Donnerstag, 2. April 2009

It's spring.

Frühling

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!

(Eduard Mörike)

Endlich.
Noch dazu via Yayforthat auf dieses wundervoll-süße Video gestoßen...:

SIGNS.

Es ist wohl wirklich Frühling.

Samstag, 24. Januar 2009

Wiedersehen


Gestern habe ich mir Gus van Sants feinfühligen, sensiblen Film Paranoid Park angesehen und seit langem einmal wieder gemerkt: Filmkunst ist etwas Wundervolles.

Auf van Sant ist eben immer Verlass.

Ich muss bald (spätestens nach den ganzen Klausuren!) wieder mehr Filme sehen. Immer nur Theater, so geht das doch nicht weiter.

Cinema is calling me.