Donnerstag, 8. März 2012

Zuweilen gedämpft

Seltsame Taubheit.
Nach zehn Stunden Arbeit in fremden Territorien. Eine nicht allzu bekannte Müdigkeit wohnt nach solchen Tagen in den Schläfen. Und verführt einen zum Schlaf. Zum schnellen Schlaf, der lockt und zugleich bricht, denn da ist wieder dieser frühe Morgen, dem man wach begegnen muss. Wie einem Ungetier. Aber es ist gut so, ein wenig zumindest. Manchmal, jetzt gerade. Es heißt immer, wenn man tätig ist (zum Beispiel so zehn Stunden am Tag, ohne Pause, in fremden Hallen) schwirren die Zartheitsgedanken und alles was da
ein Rästel/
eine Nostalgie/
eine Trauer/
eine Überhöhung/
eine Apotheose der Geborgenheit/
hervorrufen könnte nicht mehr allzu unmittelbar und schutzlos durch eigene Fasern, Haut und Adern. Ein schöner Gedanke, die Abwesenheit dieser drängenden Gefühle. Zustände. Entscheidungen. Gefühl ist viel zu lapidar, nein es sind diese Entscheidungen, die mit einem verwachsen sind, die einen umtreiben. Diese Entscheidungen, die durch bestimmte zehn Stunden Tätigkeit ein wenig abgemildert werden. Jedoch verschwinden sie und die Gedanken niemals so ganz. Bei vielen Menschen mag dies anders sein, das muss man sich leider eingestehen. Sie scheinen ihre (mentalen) Umgebungen ständig neu zu sondieren. Ihre Empfindungen und Entscheidungen sind eher fließend als allzu sehr verhaftend in einem Zentrum, einer bestimmten Art der Sicht der Dinge (und Menschen). Vielleicht ist man zu sehr anmaßend dies zu beurteilen, aber irgendwie glaubt man schon zu wissen: da ist ein Ungleichgewicht.
Aber man konstituiert sich durch diese Mentalitäten zu der Person, die man ist. Das ist es, was einen ausmacht.
Schlicht und einfach.
Und dadurch doch auch so
unsagbar schwer.
(auch, wenn manchmal ein bisschen weniger hart, ein bisschen weniger intensiv nach diesen zehn Stunden Unterwegssein.)

Montag, 13. Februar 2012

Alles beim Alten

Kann auch mal etwas Neues geschehen?
Wohl nicht.
In ständigen Klischees verhaftet. Ihr kennt doch nichts. Ihr kennt nichts. Immer verwickelt und am Rande stehend. Denken. Leben ohne Atmen. Aber bitte hier keine Melodramatik.
Kann auch endlich einmal etwas Neues geschehen?
Wohl nicht.
Etwas gegen die Erwartungen?
Wohl kaum.
Immer dafür, immer dafür. Gegen die Liebe. Was rede ich hier? Hört doch eh keiner zu. Ich mir selbst auch nicht (mehr). Okay alles klar: Aber bitte hier keine Resignation. Wo kämen wir denn da hin? Nirgends. Richtig.
Einfach mal was durchziehen. Und nicht durch den Dreck. Sich zu jemandem hinziehen. Wohl eher nicht. Ja doch! Ja doch!
Nach mir schon.
Entschuldigen Sie bitte diese Befindlichkeitsscheiße. Lassen Sie uns doch auf dem Teppich bleiben und kehren wir zurück auf den heiligen staubigen Boden der tötlichen Tatsachen.
Wie rein müsste wohl ein Text sein, wenn man ihn gänzlich um der Worte willen schreibt. Sehr rein, blendend weiß. Und wunderlich verletztlich. Dieser hier ist eher grau, aber dann doch von der helleren Sorte. Morgen wieder langes Zugfahren.
Und bitte dann auch viel lesen und über die Buchstaben nachdenken, nicht über den eigenen Kopf. Das bringt nur Schnee in der eigenen Welt. Aber verdammt: Bitte hier keine Melodramatik. Die wird sofort aufgehangen. Von meinem Herzen. Das sollte sich sowieso mal einem Imagewechsel unterziehen. Sei doch lieber mehr Pumpe für Körper als Labyrinth für die Seele - recht herzlichen Dank!
Kryptik ist die Zuflucht der Zarten.
Dieser ewige Drang. Dieser ewige Mitteilungsdrang. Wozu das Ganze? Um des Schreibens willen. KANN AUCH MAL WAS NEUES GESCHEHEN? Ihr Elenden?
Okay: Aber bitte hier jetzt keine Aggression. Nein danke. So geht das nicht, so stagniert das alles. Also nein. Nicht so. Aber wie dann? Wahrlich attestiere ich mir meine eigene Diagnose:
Lächerlichkeit.

Wie jetzt? Wirklich? Nein, nur eingebildet. Simulation.
Gebt mir sofort meine Hegemonie zurück! Auf der Stelle! Wirds bald! Wohl kaum.
Da stehe ich nun, liege im Sitzen und bin von den Umständen gelähmt.

Heteronomie ist die neue Hegemonie.

HA. HA.

[Kann verdammt nochmal nicht endlich einmal etwas Neues geschehen?]

Donnerstag, 2. Februar 2012

beinahe am Ende

Es gibt eine Zeit für Bilder, einen guten Moment, in dem sie auftauchen, sich dazwischenschieben, die Kombination der Wörter und den Strom der Stimmen durchbrechen können, es gibt eine Stunde der Bilder, [...] aber es ist ein Moment beinahe am Ende, eine Stunde kurz vor der letzten.

(Gilles Deleuze - Erschöpft, S.20)

Mir fehlen sie zu sehr - im Leben.

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Wieder: Ein Laut

Schweigen erschien mir angemessen.
Diese Möglichkeit des Verstummens. So still. So weit. So unantastbar. So unverletzbar.
Und so dermaßen feige.
Zu einfach.
Aber diese Epiphanie ist keine Entität.
Aber auch Stimmungen sind es vielleicht wert aufgenommen zu werden. Wider dem Schweigen. Diesem geliebten Feind. Es erschien mir angemessen, das Schweigen. Passend wie ein neues Kleidungsstück. Es wärmt. Es umgibt mich. Eine Hülle. Aber das Schweigen, es ist so verdammt glatt. In seiner Schwere ist es zu einfach. Meine Haut kratzt sich wund an diesem Kleidungsstück - und ist doch zugleich so viel wunder ohne eben jenes.
Zugleich so viel wunder.
Zugleich - so viel Wunder. Ich pfeife nach ihnen, den Wundern - aber fliegen sie mir denn wirklich alle noch bereitwillig zu? Ich befürchte nicht. Ich fürchte nicht. Es gibt eine Furcht vor der Angst. Ich bin mit ihr befreundet, unser Verhältnis ist chronisch. Die Angst sitzt auf meinen Wimpern, mit ihr durchschaue ich die Welt. Den Wert der kostbaren Bindungen. Verbunden bin ich mit Menschen durch Wichtigkeitsgeflechte. Sie ranken sich um Seele und Herz und manchmal sind sie Ursache für Atemnot. Aber ich kann sie nicht durchtrennen, es sind feingliedrige, fragile und wetterleuchtende Adern, fest mit den Herzkammern und Seelenhöfen verwachsen. Es erschien mir angemessen, das Schweigen. Aber es ist zu einfach. Ich habe zu viele Einbahnstraßen inkorporiert. Erfüllt von Sternschnuppen, die in meinem Himmel erlöschen. Ich bin das Zentrum der Peripherie. Die Bereitwilligkeit des Auslieferns. Es ist zu bequem diese zu begraben. Ich liefere mich aus, ich liefere mich ab. Ich zeige nichts. Nicht allein durch geschriebene Zeilen, sondern im zerbrechlichen Zwischen derselben.
Ich nehme sie, die Hände. Ich fühle sie sehr gerne, dann werden sie Wahrheit. Es gibt eine Angst vor offenen Händen. Es gibt eine Angst vor dem Wort auch. Ich liefere nichts. Denn dies ist zu einfach. Zugleich liefere ich alles. Mit diesem Text. Aber dies bin nicht ich. Und doch so ganz. Schweigen erschien mir angemessen. Aber dieser Satz, er ist im Präteritum verfasst.
Die Gegenwart ist Folgendes: Es gibt eine Angst vor offenen Händen. Ich möchte meine Haut nicht offen legen. Ich tue gerade eben genau dies.
Ich empfinde Welten - und finde zu wenig. Zugleich: so viele Wunden. Dies nun: eine weitere.
Ich und die Angst - unsere Beziehung ist chronisch. Das Schweigen ist noch immer da. Trotz dieses Textes. Dennoch hoffe ich er wird nicht nur Wunden hervorbringen.

Sondern auch Wunder.

Sonntag, 25. September 2011

Liebe

Die Welt gehört dem Tätigen.
Die Welt schenkt sich dem Handelnden.
Die Welt umarmt den, der aus seinem eigenen gemütlichen Kreis heraustritt.
Die Welt wird sich auf ewig denen verschließen, die nur reden.
Die nur reden - um sich selbst darin zu gefallen.
Die nur hochintellektuell reden, um sich hinter diesen sorgsam aufgebauten Wortgebilden zu verstecken und verkriechen zu können.
Ein blasierter Schutzwall gegen die eigene Angst.
Vor den aktiv Handelnden.
Vor dem Leben.
Den Wunden. Dem Blut. Dem Zweifel. Der Güte. Der Rücksicht. Dem Einfühlungsvermögen.

Den Liebenden.


Die Welt,
sie gehört mir.