Seltsame Taubheit.
Nach zehn Stunden Arbeit in fremden Territorien. Eine nicht allzu bekannte Müdigkeit wohnt nach solchen Tagen in den Schläfen. Und verführt einen zum Schlaf. Zum schnellen Schlaf, der lockt und zugleich bricht, denn da ist wieder dieser frühe Morgen, dem man wach begegnen muss. Wie einem Ungetier. Aber es ist gut so, ein wenig zumindest. Manchmal, jetzt gerade. Es heißt immer, wenn man tätig ist (zum Beispiel so zehn Stunden am Tag, ohne Pause, in fremden Hallen) schwirren die Zartheitsgedanken und alles was da
ein Rästel/
eine Nostalgie/
eine Trauer/
eine Überhöhung/
eine Apotheose der Geborgenheit/
hervorrufen könnte nicht mehr allzu unmittelbar und schutzlos durch eigene Fasern, Haut und Adern. Ein schöner Gedanke, die Abwesenheit dieser drängenden Gefühle. Zustände. Entscheidungen. Gefühl ist viel zu lapidar, nein es sind diese Entscheidungen, die mit einem verwachsen sind, die einen umtreiben. Diese Entscheidungen, die durch bestimmte zehn Stunden Tätigkeit ein wenig abgemildert werden. Jedoch verschwinden sie und die Gedanken niemals so ganz. Bei vielen Menschen mag dies anders sein, das muss man sich leider eingestehen. Sie scheinen ihre (mentalen) Umgebungen ständig neu zu sondieren. Ihre Empfindungen und Entscheidungen sind eher fließend als allzu sehr verhaftend in einem Zentrum, einer bestimmten Art der Sicht der Dinge (und Menschen). Vielleicht ist man zu sehr anmaßend dies zu beurteilen, aber irgendwie glaubt man schon zu wissen: da ist ein Ungleichgewicht.
Aber man konstituiert sich durch diese Mentalitäten zu der Person, die man ist. Das ist es, was einen ausmacht.
Schlicht und einfach.
Und dadurch doch auch so
unsagbar schwer.
(auch, wenn manchmal ein bisschen weniger hart, ein bisschen weniger intensiv nach diesen zehn Stunden Unterwegssein.)